25.08.2010 
Refugio e.V. in finanziellen Schwierigkeiten - Insolvenzantrag ist gestellt

 

Gemeinsame Pressemitteilung des Vereins Refugio e.V. und des PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein.
Der Verein Refugio e.V., der traumatisierten Flüchtlingen und Gewaltopfern hilft, steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Ursache dafür ist, dass der Verein in diesem Jahr weniger Spenden eingeworben hat als in früheren. Dieses Geld fehlt nun, um bewilligte, aber noch nicht ausgezahlte Fördermittel zwischenzufinanzieren. Der Vereinsvorstand hat Insolvenz beantragt, hofft aber noch auf eine Lösung, damit die Beratungsstelle ihre Arbeit fortsetzen kann. Ein Wirtschaftsprüfer bescheinigte Vorstand und Leiterin, korrekt gehandelt zu haben und empfahl, ein Insolvenzverfahren einzuleiten. 

„Spenden bildeten seit Jahren eine verlässliche Säule“, so Anita Gruber und Ulrich Kruse vom ehrenamtlich tätigen Vorstand. „Wir waren überzeugt, dass wir die Vor- und Zwischenfinanzierung schaffen, so wie es uns bisher immer gelungen ist.“ Der Vorstand bedankte sich bei der ehemaligen Leiterin und Refugio-Mitbegründerin Behjat Moaali, die aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit niederlegen musste. „Sie hat maßgeblich zum bisherigen Erfolg von Refugio beigetragen.“ Vor allem Moaalis unermüdlichen Einsatz sei es zu verdanken gewesen, dass das Spendenaufkommen für den Verein in den vergangenen Jahren so beträchtlich war. „Ihr Ausscheiden ist damit nicht nur menschlich und fachlich, sondern auch finanziell ein furchtbarer Verlust“, äußert sich der Vorstand. Die Anwältin und Frauenrechtlerin Behjat Moaali kam selbst als Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland.

„Die Situation von Refugio zeigt auf tragische Weise, auf welch dünnem Seil Träger von Einrichtungen balancieren, wenn ihre gesellschaftlich wichtige Arbeit nicht ausreichend finanziert wird“, sagt Günter Ernst-Basten, Vorstand des PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein, dem Dachverband des Vereins. Das lange Warten auf Fördermittel, das im konkreten Fall zur finanziellen Schieflage beiträgt, hat der PARITÄTISCHE Gesamtverband bereits mehrfach bemängelt. Refugio sei ein engagierter Verein, der fachlich einen hervorragenden Ruf genießt und weit über die Landesgrenzen bekannt sei. „Gruppen wie diese machen unsere soziale Landschaft bunt und stark“, erklärt Ernst-Basten. Das Refugio-Team, das aus einer handvoll festen Beraterinnen und Beratern und einem landesweiten Netz aus Freiwilligen besteht, hilft Menschen, die in ihren Herkunftsländern gefoltert oder bei ihrer Flucht traumatisiert wurden. 

Verein und Dachverband wollen in den nächsten Wochen gemeinsam und mit möglichen Partnern nach Lösungswegen suchen, um das Angebot aufrecht zu erhalten. „Wir versprechen unseren Klienten und den Beschäftigten, unser Möglichstes zu tun“, so der Vorstand des Vereins Refugio.

 


Neues Projekt bei REFUGIO

HILFE für traumatisierte Flüchtlingskinder und -jugendliche

Seit dem 15. Mai 2008 führen wir das Projekt durch und können so dank der Förderung durch die AKTION MENSCH dem dringenden Hilfsbedarf von traumatisierten Flüchtlingskindern und -jugendlichen in Kiel sowie in Schleswig-Holstein begegnen.

Krieg, Gewalt und Fluchterfahrung prägen sich tief in die Seelen der Kinder

Viele Kinder und Jugendliche sind mit ihrer Familie oder unbegleitet aus ihrem Herkunftsland geflohen, waren dort verfolgt oder Kriegsereignissen ausgesetzt. Häufig traumatisierende Ereignisse für Kinder und Jugendliche sind beispielsweise eigene Gewalterfahrungen, Tötung einer nahestehenden Person oder Zeugenschaft von körperlichen oder sexuellen Übergriffen auf Bezugspersonen, Aufenthalt in einem Lager, Kriegsereignisse generell und schwere körperliche Verletzungen der Kinder selbst oder ihnen nahestehender Personen infolge dieser Kriegsereignisse. Hierbei handelt es sich um primäre traumatische Ereignisse aus direkter eigener Erfahrung.
Die Kinder, die von direkter Traumatisierung verschont blieben, leben oft mit traumatisierten Eltern und sind durch die gesundheitlichen Folgen und psychischen Beeinträchtigungen der Eltern betroffen (sekundäre Traumatisierung). Die Eltern sind häufig nicht mehr in der Lage, ihre Versorgungs- und Erziehungsaufgaben wahrzunehmen.

Die Kinder sind verstört und zeigen vielfältige Symptome und Auffälligkeiten:

  • wiederkehrende, belastende Träume von dem Ereignis aber auch beängstigende Träume ohne wiedererkennbaren Inhalt
  • Handeln oder Fühlen, als ob das Ereignis wiederkehrt
  • Spiele, in denen wiederholt Themen oder Aspekte des Traumas ausgedrückt werden
  • Belastung bei Konfrontation mit Hinweisreizen, die an das Trauma oder einen Teilaspekt des Traumas erinnern, auch körperliche Reaktionen
  • ängstliches, anklammerndes Verhalten bis hin zu Angststörungen
  • Schulprobleme (Konzentrationsstörungen, Leistungseinbrüche)
  • Aggressionen gegen andere und sich selbst
  • Verstimmtheit bis hin zu Rückzug in depressive Verhaltensweisen
  • Emotionale Störungen (auch Bettnässen)
  • bei Jugendlichen auch Drogen-/Alkoholmissbrauch
  • delinquentes, dissoziales Verhalten

Wir bieten diesen Kindern und ihren Familien Hilfe an!

Beratungen und Therapien haben zum Ziel, chronischen traumabedingten Folgeerkrankungen und tiefgreifenden psychosozialen Probleme vorzubeugen. Das Angebot bietet im Sinne des Kindeswohls neuen Halt und eine Sicherheit an, um das Aufwachsen und die Persönlichkeitsentwicklung zu fördern und ihnen somit eine bessere Zukunft mit deutlicher Perspektive zu ermöglichen.

Unser Angebot umfasst:

  • kurzfristige Beratung für Familien und/oder BetreuerInnen
  • therapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
  • Einzel- und Gruppentherapie
  • Eltern- und Erziehungsberatung
  • Vermittlung an niedergelassene Kinder- und Jugendpsychotherapeuten
  • Kooperation und Vernetzung mit anderen Institutionen (zum Beispiel: Kindergärten, Schulen, Ärzten, Kliniken, Kinderschutzzentren, Beratungsstellen, Jugendämtern und Behörden)
  • Fortbildungsangebot für Professionelle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten
  • Öffentlichkeitsarbeit

Projektförderung durch:





Zehn Jahre Refugio!

Einen Einblick in zehn bewegte Jahre unserer Arbeit von 1997 bis 2007 gewinnen Sie in unserer Jubiläumsbroschüre. Kurze Einführungstexte, Bilddokumente und Presseberichte führen Sie auf spannende Weise an Refugio heran. Die Jubiläumsbroschüre ist über uns bestellbar oder steht Ihnen hier als pdf-Dokument zur Verfügung.






Anti-Folter-Tag 2007

Mit viel Esprit ... Das Bundesjugendorchester spielte unter Gerd Albrecht im Kieler Schloss. Den einen oder anderen Musiker wird man hier im Laufe der nächsten Jahre sicher wieder sehen: Wer sich bis ins Bundesjugendorchester hochgespielt hat, ist oft auch willkommener Kandidat für das Akademieorchester des Schleswig-Holstein Musik Festivals. [ganzen Artikel lesen]




Plädoyer gegen das Vergessen
Anti-Folter-Tag 4. Februar 2005


Der vorliegende Bericht ist eine Dokumentation des vierten Anti-Folter-Tages in Schleswig-Holstein,
der am 4. Februar 2005 in der Halle 400 in Kiel stattgefunden hat.

Unter dem Link Download.PDF [53 Seiten, inkl. Bilder, Größe320k]
können Sie den gesamten Bericht am Bildschirm lesen oder ausdrucken.
Klicken Sie hier um die Online Präsentation zu starten
Falls Ihnen die Browser-Voraussetzungen fehlen, können Sie sich hier die entspr. Plug-Ins laden
.


Plädoyer gegen das Vergessen mit
Erinnerungen an das Ende des 2.Weltkriegs
vor 60 Jahren und aktuellen Berichten

Auch im 21.Jahrhundert tobt der Krieg weltweit und Männer, Frauen und sogar Kinder werden immer noch und immer wieder grausam und erniedrigend behandelt, gefoltert und verfolgt. Und das nur wegen ihrer politischen oder religiösen Überzeugung, wegen ihrer ethnischen, geschlechtlichen oder politischen Identität.
Das Unrecht geschieht auf Befehl oder mit Billigung organisierter Gemeinwesen oder Staaten.
Das konkrete Leiden ist unfassbar. Die seelischen Folgen sind nur schwer zu behandeln und nicht endgültig heilbar.
Dass Menschen derart vernichtend handeln können, ist eine bittere Tatsache. Besonders vor dem Hintergrund unserer Vergangenheit in Deutschland stellt sich noch heute die Frage, was solcher Barbarei entgegen zu setzen ist.
Die Auseinandersetzung mit dem Phänomen organisierter Folter und Gewalt geht uns alle an und liegt im Sinne der internationalen Verpflichtung zur Vorbeugung, Verfolgung der Täter und Rehabilitation der Opfer, der UN „Anti-Folter-Konvention “.
Seit 2002 lädt Refugio die Öffentlichkeit alljährlich zur gemeinsamen Reflexion ein und hat dafür den 4. Februar zum Anti-Folter-Tag in Schleswig-Holstein erklärt.
Refugio setzt sich seit 1997 für Opfer von Folter und organisierter Gewalt ein.
Mit Unterstützung der Landesregierung, privater Spender und aus EU-Mitteln konnte bisher über 500 Flüchtlingen geholfen werden.
Ebenso wichtig wie die materielle Unterstützung ist die ideelle Bejahung der Arbeit, die Anteilnahme am Schicksal der Traumatisierten und ihre Aufnahme in unsere Gesellschaft. Ermutigt durch die Resonanz von den vergangenen Jahren freuen wir uns, dazu auch 2005 wieder einladen zu können und hoffen auf ebenso regen Zuspruch.
Mehr hier.

 
Zentrum für Behandlung, Beratung und Psychotherapie von Folter-, Flucht- und Gewaltopfern in Schleswig-Holstein e. V. Schaßstraße 5, 24103 Kiel
Tel: +49 (0) 431-5302530 0 | Fax: +49 (0) 431-5302530 53
design und Realisation 2005 durch das4mat.de | Bitte melden Sie fehlerhafte Links an info@das4mat.de